Schill hatte im Rahmen der Bremer Innenministerkonferenz angekündigt, Hamburg werde auf seine Anweisung hin auch im Alleingang das Gas beschaffen, wenn der Bund eine Teilnahme an der umstrittenen Aktion verweigere. Medienberichten zufolge seien die übrigen Innenmininister über den Vorstoß Schills entsetzt gewesen. Bundesinnenminister Otto Schily haben den Hamburger Innensenator zur Ordnung rufen müssen.
Bürgermeister Ole von Beust hat eine Stellungnahme zu dem neuesten von Schill verursachten Eklat zunächst verweigert. Über einen Sprecher ließ er lediglich mitteilen, es handele sich um eine "fachliche Frage". Einen Tag später - möglicherweise aufgrund der Medienberichterstattung - versuchte der Bürgermeister, die Schill-Ideen als "spontane Überlegungen" kleinzureden.
Schill seinerseits beklagte nach Bekanntewerden seiner Ideen angebliche Indiskretionen aus Kreisen der Innenministerkonferenz. Tatsächlich waren seine Überlegungen, das bei der Moskauer Geiselnahme eingesetzte Gas für die Hamburger Polizei zu beschaffen, schon rund zwei Wochen vor dem Bekanntwerden Thema innerhalb der Innenbehörde.
Unterdessen hat der SPD-Innenexperte Michael Neumann eine kleine Anfrage an den Senat eingereicht. Neumann will unter anderem wissen, ob der Senat es für angebracht hält, sich Gedanken über ein international geächtetes Kampfmittel zu machen.
In der weiter laufenden Diskussion um die Beschaffung des beim Moskauer Geiseldramas eingesetzten Gases gerät auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust immer stärker in die Kritik. Der SPD-Landesvorsitzende Olaf Scholz warf von Beust vor, "vorsorglich vor seinem Innensenator zu kapitulieren". Von Beust spiele die Ideen Schills herunter, das Gas für die Hamburger Polizei besorgen zu wollen. "Der Bürgermeister versucht, sich einen Konflikt zu ersparen", sagte Scholz am Sonntag (1. Dezember 2002). "Wenn der Bürgermeister so empört wäre, wie vier Fraktionen der Hamburger Bürgerschaft und wie viele Menschen in Hamburg, dann müsste er Schill in die Schranken weisen. Das traut er sich nicht. Wir erleben eine vorsorgliche Kapitulation des Bürgermeisters vor dem Innensenator", sagte Scholz.
Die Äußerungen des Bürgermeisters zur angestrebten Beschaffung des Moskauer Gases ließen nur einen Schluss zu: "Herr von Beust versucht, die unglaublichen Ideen seines Innensenators herunterzuspielen." Die Interpretation von Beusts, Schill habe sich bei seinem Vorstoß darüber Gedanken gemacht, den Schutz von Unschuldigen besonders wirksam zu gewährleisten, sei "angesichts der fast 130 toten Geiseln von Moskau nicht nachvollziehbar". Der SPD-Landesvorsitzende und Generalsekretär bezeichnete die Pläne Schills als "untragbar": "Wer noch vor Augen hat, wie Soldaten die toten Geiseln aus dem Moskauer Musical-Theater schleppen, kann angesichts der neuesten Ideen des Innensenators nur noch mit dem Kopf schütteln."
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06.12.2002